Sonntag, 1. Februar 2026

Allerlei zu sehen



Hab verschlafen

Die nahe Kirchenglocke kliiiiingt,
die Luft erbeeebbbt, der Äther siiinnngt.
Wozu am Sonntag dieser Krach?
Ich schrecke hoch und schreck mich wach.

Wer hin will, ja, der tut's auch so,
ist für den Krach nicht extra froh.
Was soll’s? Bin eingehüllt  in  Schlaf.
Der liebe Gott vermisst ein Schaf?

Werd abends fromm und doppeltherzlich beten,
den Seelengarten sündenfrei mir jäten.




@ Lisa Nicolis












 

Ich sehe rot



Am Fenster

Da geht ’ne Gör’ gelassen,
mit Apfel in dem Mund.
Sie sucht in ihrer Tasche
nach irgendeinem Grund.

Flink flitzt ein Fahrradfahrer,
schwer keuchend Tritt für Tritt,
vorbei und nimmt vom Wegrand
`ne Plastiktüte mit.

Es joggt ein Joggingjunkie
wie Wind an mir vorbei.
Aus einem Kinderwagen
ertönt- Kindergeschrei.

`ne dicke Dame denkt dran,
die Straß’ zu überquer’n .
Ein schnelles Auto tut sie
mit Pfützenspray bescher’n .

So kesse Kitaknirpse
kommen vorbei am Haus.
Ich winke. Doch ein Rotzkerl
streckt mir die Zunge raus.

Ein hurtig’ Hund hat hechelnd
sirht meinen Baum da stehn,
duckt sich vor meinem Fenster.
-Ich hab genug gesehn..


© Lisa Nicolis











 

Meerblick



Finale Ligure

Drang durchs Fenster, viele Tage lang,
nur ein Wolkendüster aus den Fernen,
ist, in deines Rauschen Silberklang,
wellenweit erneut, ein Meer von Sternen.

Segel taumeln weit auf dem Türkis,
wie ein Traum, den blaue Winde träumen,
der die Schönheit in die Seele ließ,
während Wogen in den Klippen schäumen.

Mit dem sonn’gen Glanz auf weitem Rund
warm verschweigst du deine kühlen Tiefen.
Möwen schreien mir die Seele wund,
seit sie mich zum Abschiednehmen riefen.

Oh, wie weit muss meine Seele sein,
wenn ich dich in meinen Alltag trage.
Wie dein Leuchten hier im Sonnenschein,
wo ich klagend dir Adio sage.


© Lisa Nicolis












 

Samstag, 31. Januar 2026

Abendhin



Abendhin

Zartrosa greift sich der Abend das Blau,
himmelt sich wundervoll über die Welt.
Hoch in den Fernen, die ich mir jetzt schau,
baut er pastellntransparent sich sein Zelt.

Nahend schon dunkelt die Nacht übers All,
tönend das Wunder der Farben in grau.
All die Vernunft ist betäubt, Rauch und Schall,
während ich morgenhin Traumschlösser bau.



@Lisa Nicolis










Winter zaubern (mit den selbstgebastelten Bildern anno dazumal)


Winter zaubern

Mit jedem Wintertag möcht ich spazieren gehen,
für andre Menschen mög es Sommer sein
und täglich im Zenit die Sonne stehen,
da wo ich gehe, soll es richtig schnei'n.

Die andren mögen sonnen sich und schwitzen,
ich schippe lieber Schnee vor meinem Haus.
Und während sie sich überhitzt bespritzen,
geh ich in diesen Sternenzauber raus.

Doch, wirds im Juni auch nicht Winter geben
und im Dezember keine Sonne glühn,
so wird's im Mai, als herrliches remember,
die aller liebste Zeit- der Frühling blühn.



@Lisa Nicolis